Die Lage des Wassermangels in Kärnten ist ernster, als ein kurzer Regenschauer zuerst vermuten lassen würde. Nach Einschätzungen der GeoSphere Austria müsste es mindestens zehn Tage durchgehend regnen, damit sich die Wassersituation wieder dem Normalniveau annähert. Eine rasche Entspannung ist daher derzeit nicht in Sicht – selbst einzelne Niederschläge würden die angespannte Lage nur kurzfristig abmildern.
Laut der Marktgemeinde Griffen sind diese Maßnahmen notwendig, weil die Trockenheit die Wasserreserven belastet. Das größte Problem ist, dass die Schüttungsmengen der Quellen in Griffen deutlich zurückgegangen sind, während der Verbrauch aufgrund der Gartenbewässerung und gleichzeitigen Poolbefüllungen zuletzt gestiegen ist. Der Griffner Bürgermeister Josef Müller (ÖVP) erklärte gegenüber den Medien, dass derzeit die Trinkwasserversorgung durch Wasserspenden von der Stadtgemeinde Völkermarkt gesichert sei – das setzt aber dennoch voraus, dass sich die Bevölkerung an die Vorgaben der Gemeinde hält.
Handlungsbedarf für Wasserversorger
Für viele Gemeinden bedeutet diese Entwicklung: Wasser sparen ist aktuell keine Empfehlung mehr, sondern eine notwendige Maßnahme, um die Versorgung für die Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Die Marktgemeinde Griffen appelliert daher an ihre Bürgerinnen und Bürger, verantwortungsvoll mit Trinkwasser umzugehen und unnötigen Wasserverbrauch zu vermeiden. Gerade in trockenen Phasen zählt jeder Beitrag – damit Trinkwasser dort verfügbar bleibt, wo es wirklich gebraucht wird. Deshalb überlegt sich die Gemeinde Griffen noch, ob sie das Schwimmbecken in ihrem Freibad überhaupt befüllen wird.
Die Gemeinde Neuhofen an der Krems (Bezirk Linz-Land) in Oberösterreich hat sogar online einen Pool-Kalender eingerichtet, jedoch wird dieser von den meisten Poolbesitzern nicht genutzt.
Der österreichische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) äußert sich heute gegen österreichweite Wasserverbrauchsverbote vonseiten der Politik in Bezug auf private Bereiche wie das Poolbefüllen und das Autowaschen. Er sieht die regionalen und lokalen Wasserversorger in der Pflicht und appelliert an die Wasserversorger in den Gemeinden immer dafür zu sorgen ausreichend Wasser für die Bevölkerung bzw. Verbraucher zur Verfügung zu stellen. Es liegt für den Minister aber auch in der Verantwortung der Kommunen bei einer Notwendigkeit in den Wasserverbrauch einzugreifen.
Hohe Waldbrandgefahr
Die Trockenheit zeigt sich aber nicht nur bei der Wasserversorgung. Bereits Anfang April wurde für den gesamten Bezirk Völkermarkt wegen erhöhter Waldbrandgefahr eine Verordnung der Bezirkshauptmannschaft erlassen. Im Wald und in dessen Gefährdungsbereich sind unter anderem das Entzünden von Feuer, Rauchen sowie der unvorsichtige Umgang mit feuergefährlichen Gegenständen untersagt. Zurzeit herrscht also im Bezirk Völkermarkt ein erhebliches Risiko für großflächige Waldbrände wie die noch immer andauernden Waldbrände im Lesachtal und in Eisbach-Rein bei Graz. Der Brand im Lesachtal, wahrscheinlich verursacht durch eine Zigarette, hat mittlerweile einen Schaden in Millionenhöhe verursacht.
Auswirkungen des Klimawandels in Österreich
Auch österreichweit ist die Lage außergewöhnlich: Laut GeoSphere Austria war der April 2026 einer der trockensten seit Beginn der Messgeschichte im Jahr 1858. In manchen Regionen Österreichs fehlen bis zu 85 Prozent Niederschlag – 70 Prozent der Grundwasserstände sind eindeutig zu niedrig. In manchen Regionen Ostösterreichs (Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland, Wien, Steiermark) wurde im April bis zu 75 Prozent weniger Niederschlag – in Form von Regen oder Schnee – verzeichnet. Auch in Kärnten wurden massive Niederschlagsdefizite verzeichnet. Dürren und Starkregenereignisse, die zu Hochwässern und schließlich Überschwemmungen führten, nahmen in den letzten Jahren aufgrund der Klimaerwärmung in Europa zu. Durch den Klimawandel werden solche Wetterereignisse bzw. Klimaphänomene also auch in Österreich weiter zunehmen.
Die Hitzewellen führen zu einer starken gesundheitlichen Belastung der Menschen, während Unwetter (oft in Kombination mit Hagel und Sturm) zu Schäden an Menschen, Tieren, Häusern, Infrastruktur und der Natur führen können. Die durch die anhaltende Trockenheit verursachten Dürren und auch Starkregen können zu erheblichen (Ernte)Ausfällen in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft führen. Mittlerweile haben die Landwirte in Ostösterreich aufgrund der Dürre Schäden bei den Frühjahrssaaten zu verzeichnen.
Der Klimawandel führt zu starken lokalen und regionalen Unterschieden. So fielen gestern zum Beispiel in den Karawanken bis zu 44 Liter Regen pro Quadratmeter, während der Föhnwind den Regen in Unterkärnten in Richtung Süden zurückhielt und die Natur- und Kulturlandschaft weiterhin austrocknet. Heute hat es im Osten Sloweniens kräftig geregnet. Auch in Oberkärnten kam es aufgrund von Regen zu einer Abkühlung – so hatte es z. B. in Mallnitz und Kornat im Lesachtal um 16 Uhr 7 Grad, während es in St. Andrä im Lavanttal in Unterkärnten 24 Grad hatte.