In St. Pölten füllt sich der Green Park im August wieder mit Zelten, und beim Einlass passiert für die meisten Gäste dasselbe. Das Bändchen kommt ans Handgelenk, danach wird Guthaben aufgeladen. Zwanzig oder fünfzig Euro reichen für den ersten Tag. Bezahlt wird kontaktlos, beim Bier genauso wie am Foodtruck. Wenn die Zelte am Ende abgebaut werden, liegen auf vielen Bändern noch Restbeträge. Was mit diesem Geld passiert, war in den vergangenen Monaten Thema vor Gericht, gemeinsam mit einer zweiten Gebühr, die Festivalgänger jahrelang beim Einlass zahlen mussten.
Zwei Urteile, ein Ergebnis für Besucher
Den Anfang machte der Oberste Gerichtshof im November 2025. Beim Nova Rock in Nickelsdorf waren 2024 pro Ticket 20 Euro Müllpfand fällig, und die Hälfte davon bekam nur zurück, wer einen mindestens halb vollen Müllsack abgab. Der OGH erklärte diese Klausel für unzulässig. Wenig später folgte das Oberlandesgericht Wien mit derselben Beurteilung für das Frequency Festival, wo zehn Euro einbehalten wurden. Beide Gerichte argumentierten gleich. Die Müllentsorgung gehört zu den vertraglichen Nebenpflichten des Veranstalters und ist mit dem Ticketpreis bereits abgegolten. Wer sie zusätzlich verrechnet, belastet seine Gäste doppelt. Für Besucher bedeutet das einen Anspruch auf Rückzahlung, und zwar rückwirkend über mehrere Festivalsommer. Die Verfahren blieben aber nicht beim Geld am Einlass. Vor Gericht landete auch eine Klausel, die das Guthaben auf dem Bändchen betrifft.
Warum Besucher das harte Limit bevorzugen
Bevor es um den Rest auf dem Bändchen geht, lohnt die Frage, warum so viele Gäste überhaupt vorab aufladen. Ein fixer Betrag am Handgelenk verhält sich anders als eine hinterlegte Kreditkarte. Die gute Kontrolle über die eigenen Ausgaben nennen 88 % der Befragten in der Zahlungsmittelumfrage der Nationalbank als wichtigen Grund fürs Barzahlen, und ein Bändchen ohne Kartenanbindung kommt diesem Bedürfnis nahe. Der Rahmen steht vor der ersten Zahlung fest. Die Rechnung macht jeder vor dem Einlass, nicht hinterher.
Diese Rechnung stellen viele Besucher auch nach dem Festival an, sobald sie online etwas bezahlen. Wer per Handyrechnung im Online Casino bezahlen will, hinterlegt keine Kartendaten, sondern lässt einen kleinen Betrag über die Rechnung des Mobilfunkanbieters laufen. Das Muster entspricht dem Cashless-Band am Handgelenk. Der Rahmen steht vor der ersten Zahlung fest, und jede weitere Aufladung ist eine eigene Entscheidung. Fällig wird die Summe erst mit der nächsten Mobilfunkrechnung, der Rahmen selbst verschiebt sich dadurch nicht.
Am Festival bleibt am Ende trotzdem oft etwas übrig. Wer am Samstagabend zehn Euro zu viel aufgeladen hat, fährt mit einem Bändchen nach Hause, auf dem noch Geld liegt. An dieser Stelle setzte das Oberlandesgericht Wien an.
Restguthaben verfällt nicht mehr
Dort stand eine zweite Klausel zur Prüfung. Sie befristete die Rücküberweisung des nicht verbrauchten Guthabens auf sechs Wochen nach dem Festival, und das Gericht beurteilte diese Frist als unzulässig. Die Veranstalter halten fest, dass es sich dabei um die automatische Überweisung handelte. Wer den Termin versäumt, fordert sein Geld weiterhin per Mail an cashless@frequency.at oder cashless@novamusic.at zurück. Das Guthaben verfällt nicht.
Parallel läuft die Rückzahlung des einbehaltenen Müllbeitrags. Für 2017 bis 2019 und für 2022 gibt es fünf Euro pro besuchtem Festival, für 2023 sind es 7,50 Euro, für 2024 und 2025 jeweils 10 Euro pro Jahr. Anspruch haben alle, die in diesen Jahren mit einem Mehrtagesticket vor Ort waren. Bei den großen Sommerevents rund um den Wörthersee und im Osten des Landes gehört das Cashless-Bändchen inzwischen zur Grundausstattung, entsprechend viele Besucher sind betroffen. Für die Rückforderung braucht es weniger Papier, als die meisten vermuten.
Was Besucher jetzt tun können
Der wichtigste Nachweis liegt bei vielen noch im Mail-Postfach oder in einer Schublade. Akzeptiert wird ein Mehrtagesticket, auf dem der ausgelesene Barcode erkennbar ist. Damit genügt eine kurze Mail an die Cashless-Adresse des jeweiligen Festivals, mit Bankverbindung und der Angabe, in welchen Jahren man dabei war. Eine Frist dafür gibt es nicht, der Anspruch verjährt erst nach 30 Jahren. Wer im nächsten Sommer wieder unterwegs ist, etwa beim Electric Love am Salzburgring, zahlt beim Einlass ohnehin kein Müllpfand mehr. Seit der Saison 2026 ist die Entsorgung im Ticketpreis enthalten. An ihre Stelle tritt ein Gutschein über fünf Euro für einen vollen Müllsack, einlösbar beim Early-Bird-Ticket des Folgejahres.
Für Festivalgänger ändern die Urteile zwei konkrete Dinge. Der Müllbeitrag am Einlass ist Geschichte, und der Rest auf dem Bändchen verfällt nicht mehr, wenn die sechs Wochen vorbei sind. Beides musste erst vor Gericht geklärt werden, obwohl es um kleine Beträge pro Person ging. Die Gewohnheit, sich vor dem Einlass ein Limit zu setzen, bleibt davon unberührt. Sie hat vor den Urteilen funktioniert und funktioniert danach genauso, nur mit der Sicherheit, dass das Geld am Ende zurückkommt.


