Von Pixxel | eventbox.at
- 211 PS, die sich im Alltag bemerkbar machen
- Unter 20 kWh trotz wenig Zurückhaltung
- Komfortabel – für meinen Geschmack manchmal etwas zu weich
- Sportmodus: mehr Reaktion, beim Klang noch Luft nach oben
- Retro-Look for the win
- Innen ein Polo – nur gefühlt etwas großzügiger
- Abstandhalten klappt, Verkehrszeichen nicht immer
- Schnellladen: ein kurzer Blick auf die Zahlen
- Ladeanschluss rechts, Wallbox links: Kabel-Yoga
- Was kostet der getestete Polo?
- Mein Fazit: Der Polo kann elektrisch ziemlich gut
Normalerweise sitze ich in einem elektrischen Porsche. Für ein paar Tage war diesmal der neue VW ID. Polo mein Begleiter. Eine andere Fahrzeugklasse, andere Erwartungen – und trotzdem ein Auto, das mich bei einigen Dingen ziemlich positiv überrascht hat. Unterwegs im Kärntner Alltag, zwischen Terminen, Einkaufen und allem, was bei Eventbox eben so anfällt, musste der kleine Stromer zeigen, was er kann. Besonders passend war sein Einsatz am Halloween-Wochenende: Mit roten Handabdrücken, Blutspuren als Beklebung und Eventbox-Schriftzug war der weiße Polo auch optisch bereit für die Nachtschicht. Während er vor angesagten Partylocations in Kärnten parkte, war ich drinnen mit der Kamera unterwegs. Die Geister hielten sich offenbar lieber vom Auto fern – so konnte ich mich ungestört um die Partyfotos kümmern.
Vorweg: Der ID. Polo macht vieles richtig. Er geht ordentlich vorwärts, bleibt beim Verbrauch erfreulich zurückhaltend und fühlt sich innen vertrauter und großzügiger an, als ich erwartet hatte. Ein paar Dinge haben mich allerdings auch genervt. Aber der Reihe nach.

211 PS, die sich im Alltag bemerkbar machen
Die getestete Leistungsstufe bringt 155 kW beziehungsweise 211 PS an die Vorderräder. Volkswagen nennt dafür 7,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das sind die Herstellerangaben; mein persönlicher Eindruck dazu ist deutlich einfacher: Für einen normalen Polo geht das Ding ziemlich ordentlich. Mit ein wenig Hilfe der Erdanziehungskraft – aka abschüssige Straße – waren bei mir auch 5,5 Sekunden auf 100 drin. Mit dem offiziellen Wert auf ebener Strecke ist das natürlich nicht direkt vergleichbar, aber für ein Grinsen reicht’s allemal.
Den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h habe ich bei meiner Messung in vier Sekunden gestoppt. Auch wenn der Polo schon rollt, legt er also noch einmal ordentlich nach.
Vor allem der unmittelbare Antritt macht Spaß. Kein Warten auf Drehzahl, sondern Druck, sobald man ihn abruft. Beim kräftigen Beschleunigen haben die Vorderreifen entsprechend zu arbeiten. Ein kurzes Quietschen, die Traktionskontrolle regelt – und der ID. Polo zieht entschlossen nach vorne.
GTI-Gefühle? Beim Antritt durchaus ein bisschen. Ganz zum GTI wird er dadurch aber noch nicht. Bei 160 km/h macht die Elektronik Schluss. Dorthin dürfte man „theoretisch“ recht flott kommen, und gefühlt hätte der Antrieb noch Reserven. Die Begrenzung setzt dem sportlichen Übermut jedenfalls ein klares Ende.
Unter 20 kWh trotz wenig Zurückhaltung
Was mich besonders überzeugt hat, war der Verbrauch. Am Ende zeigte der Langzeitspeicher 19,2 kWh auf 100 Kilometer über 442 Kilometer an. Überwiegend war ich im Sportmodus unterwegs, mit entsprechend kräftigem Gasfuß. Und wer mich kennt: Ich habe den Polo nicht plötzlich mit einem besonders zärtlichen rechten Fuß bewegt, nur weil diesmal kein Pferd auf dem Lenkrad stand.
Die 19,2 kWh sind mein persönlicher Wert aus diesen Testtagen mit überwiegend Sportmodus und kräftigem Gasfuß, kein allgemeiner Alltagsverbrauch. Dass der 211-PS-Polo deutlich sparsamer kann, zeigt die ADAC-Testfahrt mit 13,8 kWh/100 km laut Bordcomputer, ohne Ladeverluste. Unterschiedliche Strecken, Temperaturen und Fahrweisen erlauben keinen direkten Vergleich. Der Wert zeigt aber: Für den normalen Alltag muss man meine 19,2 kWh nicht als Maßstab nehmen.
Zur Einordnung: Die 211-PS-Version hat eine Batterie mit 52 kWh nutzbarem Energieinhalt. VW nennt je nach Ausstattung bis zu 454 Kilometer WLTP-Reichweite. Diese Normreichweite habe ich nicht selbst nachgemessen. Mein positives Urteil zur Alltagstauglichkeit stützt sich auf den beobachteten Verbrauch und meine Fahrten.
Komfortabel – für meinen Geschmack manchmal etwas zu weich
Das Fahrwerk hat mich vor allem bei höherem Tempo mit seinem Komfort überzeugt. Der Polo fährt angenehm und vermittelt mir dabei grundsätzlich ein sicheres Gefühl. Man muss sich für den Alltag also kein besonders hartes Auto antun, um elektrisch zügig unterwegs zu sein.
Bei niedriger Geschwindigkeit hat mich die Lenkung überrascht: Sie reagiert sehr direkt, und auch der mögliche Lenkeinschlag fiel mir positiv auf. Beim Rangieren ist das angenehm. Fordert man gleichzeitig viel Beschleunigung und einen größeren Lenkeinschlag, gefällt mir die Abstimmung allerdings weniger gut.
Beim Herausbeschleunigen aus einer Seitenstraße auf eine Hauptstraße wirkte das Zusammenspiel von Lenkung und Federung auf mich etwas schwammig. Sobald der Wagen Fahrt aufgenommen hatte und die Lenkung wieder gerader stand, wurde das Fahrgefühl ruhiger und gesetzter. Hier hätte ich persönlich gerne etwas mehr Straffheit. Das konnte der alte Polo nach meinem Empfinden besser. Ich vermute, dass das zusätzliche Gewicht der elektrischen Antriebstechnik samt Batterie hier mit hineinspielt. Wie groß dieser Einfluss gegenüber Reifen und Fahrwerksabstimmung tatsächlich ist, lässt sich aus meinem Fahreindruck allein nicht bestimmen.
Das ist auch eine Frage des eigenen Maßstabs. Ich komme aus einem Taycan und wünsche mir deshalb womöglich mehr sportliche Präzision, als viele Polo-Käufer im Alltag überhaupt suchen. Der Komfort dürfte für die Zielgruppe häufig die wichtigere Eigenschaft sein. Die flotte Beschleunigung macht aus einem schließlich noch keinen Kimi Antonelli.

Sportmodus: mehr Reaktion, beim Klang noch Luft nach oben
Eco, Comfort, Sport und Individual stehen zur Wahl. Im Eco-Modus wird die Leistungsentfaltung sanfter, außerdem werden Antriebs- und Klimaeinstellungen auf Sparsamkeit ausgerichtet. Comfort ist die ausgewogene Grundeinstellung, Sport verändert vor allem die Charakteristik von Antrieb und Lenkung.
Eine härtere Federung bekommt der normale ID. Polo durch den Wechsel auf Sport damit nicht automatisch. Wer sich davon eine Lösung für das von mir beschriebene weiche Fahrgefühl erwartet, sollte die Erwartungen entsprechend einordnen.
Der Außensound im Sportmodus lässt für meinen Geschmack zu wünschen übrig. Da dürfte mehr Charakter dabei sein. Gut, es ist der normale Polo. Beim elektrischen ID. Polo GTI hoffe ich diesbezüglich auf mehr – gehört und getestet habe ich dessen Klang bisher nicht.
Retro-Look for the win
Mein persönliches Highlight wartet im Cockpit. Die Retro-Ansicht der digitalen Instrumente ist einfach genial. Einmal eingeschaltet, wollte ich eigentlich gar nicht mehr zurückwechseln.
Die moderne Standarddarstellung kennt man mittlerweile in ähnlicher Form aus so vielen Fahrzeugen. Sie funktioniert, aber irgendwann schaut man sich daran auch satt. Die Retro-Ansicht bringt für mich genau die richtige Portion Eigenständigkeit und Charme ins Auto. Retro-Look for the win. Den würde ich so lassen.

Innen ein Polo – nur gefühlt etwas großzügiger
Im Innenraum habe ich mich schnell zurechtgefunden. Es fühlt sich nach Polo an, teilweise wirkt der ID. Polo auf mich sogar größer. Besonders vorne fallen die Ablageflächen und die offenere Gestaltung zwischen den Sitzen positiv auf. Ein klassischer Gangwahlhebel auf der Mittelkonsole fehlt mir dort überhaupt nicht.
Und endlich gibt es für die Klimabedienung wieder echte Tasten. Auch am Lenkrad findet man nun richtige Tasten, die sich klar erfühlen und drücken lassen. Für mich gehört das zum absoluten Standard in jedem Auto. Schön, dass VW das hier wieder genauso sieht.
Das hat sich auch beim Transport bewährt. Für einen Monatseinkauf sehe ich ausreichend Platz, und ein paar Koffer sind ebenfalls kein Drama. Größere IKEA-Abenteuer würde ich trotzdem vorher durchplanen. Eine gewisse Tradition darf sich der Polo schließlich auch im Elektrozeitalter erhalten.

Abstandhalten klappt, Verkehrszeichen nicht immer
Der adaptive Abstandstempomat ACC hat bei meinen Fahrten zuverlässig gearbeitet. Die Abstandsregelung war für mich gut nachvollziehbar. Phantombremsungen, wie sie mir bei früheren Fahrzeugen gelegentlich aufgefallen sind, habe ich in diesen Testtagen nicht bemerkt.
Weniger überzeugt hat mich die Verkehrszeichenerkennung. Vor Klagenfurt blieb die Anzeige über drei bis vier Kilometer bei Tempo 50 hängen, obwohl auf dem Abschnitt nach meiner Beobachtung bereits 80 erlaubt waren. Das ist ärgerlich – besonders, wenn man erkannte Tempolimits automatisch für die Geschwindigkeitsregelung übernehmen lassen möchte. Die gute Erfahrung beim Abstandhalten gilt deshalb nicht automatisch für die Erkennung der erlaubten Geschwindigkeit.
Auch die Lichtautomatik dürfte für meinen Geschmack früher reagieren. Mehrmals war ich bereits kurz davor, selbst einzugreifen. Da würde ich mir eine etwas entschlossenere Umschaltung wünschen.
Schnellladen: ein kurzer Blick auf die Zahlen
Auch für die Ladepause lässt sich die große 52-kWh-Batterie einordnen: Für 10 auf 80 Prozent werden unter guten Bedingungen rund 24 Minuten angegeben. Das entspricht rechnerisch etwa 91 kW durchschnittlicher Ladeleistung beziehungsweise rund 36 kWh nachgeladener Batterieenergie. Bei meinem angezeigten Verbrauch wären das ungefähr 190 Kilometer zusätzliche Strecke. Ein kalter Akku oder eine schwächere Ladesäule können die Pause verlängern. Eine eigene vollständige DC-Lademessung habe ich in diesem Test nicht durchgeführt.
Ladeanschluss rechts, Wallbox links: Kabel-Yoga
Der Ladeanschluss sitzt beim ID. Polo vorne rechts. Für meine Garage war das ausgerechnet die unpraktische Seite. Selbst innerhalb des VW-Konzerns sitzt die Buchse je nach Modell und Antrieb links, rechts, vorne oder hinten. Etwas mehr Einheitlichkeit würde den Alltag durchaus erleichtern.
Für die meisten ist das eine einmalige Gewöhnungssache. Mit meinen häufig wechselnden Test- und Promotionautos wird daraus öfter Kabel-Yoga. Kein großes Drama, aber eben eines dieser Details, die man erst dann wirklich bemerkt, wenn das Kabel nicht so liegt, wie man es gerne hätte.
Was mir außerdem fehlt: eine Warnung bei offener Ladeklappe. In meiner Testsituation blieb ein solcher Hinweis aus. Gerade bei der relativ großen Klappe wäre eine deutliche Warnung sinnvoll.

Was kostet der getestete Polo?
Interesse an einem individuellen Angebot oder einer Probefahrt? Hier geht’s direkt zu Porsche Wolfsberg – Kontakt und Beratung.
Mein Testwagen ist ein ID. Polo Life Edition mit 155 kW (211 PS) und 52-kWh-Batterie. Die vorliegende Porsche-Bank-Kalkulation für einen Jungwagen nennt einen Fahrzeugpreis bei Leasing von 28.490 Euro inklusive Umsatzsteuer und weist einen 4.500-Euro-Paketbonus bei Porsche-Bank-Finanzierung aus. Das ist ein konkretes, an Bedingungen geknüpftes Angebot und kein allgemeiner Listen- oder Einstiegspreis.
Die ausgewiesene monatliche Zahlung beträgt 293,67 Euro einschließlich der kalkulierten Versicherungen, Service und motorbezogenen Versicherungssteuer. Voraussetzung sind unter anderem 11.000 Euro vorzeitig rückzahlbares Depot, 48 Monate Laufzeit und 15.000 Kilometer pro Jahr. Der kalkulierte Restwert liegt bei 16.081,92 Euro; der effektive Jahreszins der Finanzierung beträgt 9,66 Prozent (Sollzins 7,62 Prozent). Der Gesamtbetrag laut Kalkulation inklusive Restwert beträgt 34.174,68 Euro. Stand des Angebots: 30. Oktober 2026, gültig bis 28. November 2026. Persönliche Versicherungsdaten und die endgültigen Vertragsbedingungen können die Zahlung verändern.
Mein Fazit: Der Polo kann elektrisch ziemlich gut
Der ID. Polo hat mich als Alltagsbegleiter überzeugt. Der Antritt macht Spaß, und externe Testwerte zeigen, dass er bei passender Fahrweise auch deutlich sparsamer unterwegs sein kann als bei meiner Sportmodus-Tour, und innen gibt es mehr praktischen Platz, als ich dem Auto auf den ersten Blick zugetraut hätte. Die Retro-Instrumente würde ich direkt behalten.
Nachbessern dürfte VW aus meiner Sicht bei der Verkehrszeichenerkennung und der Reaktionsfreude der Lichtautomatik. Bei kräftigem Beschleunigen mit Lenkeinschlag wünsche ich mir zudem eine straffere Abstimmung. Wer hauptsächlich einen komfortablen, handlichen und ausreichend flotten Alltagsstromer sucht, dürfte andere Prioritäten setzen als ich.
Und genau darin liegt für mich seine Stärke: Der ID. Polo fühlt sich schnell nach einem vertrauten Auto an. Nur dass er an der Ampel überraschend munter loszieht – und ich in der Garage gelegentlich neu über meine Kabelführung nachdenken muss.
Getestet von Pixxel im Kärntner Alltag rund um das Halloween-Wochenende. Ergänzende Ladeeinordnung: InsideEVs – Daten und berechnete durchschnittliche Ladeleistung. Die 91 kW sind aus Batteriekapazität und angegebener Ladezeit berechnet, keine unabhängig gemessene durchschnittliche DC-Ladeleistung.


